Schulprofil

In der pluralistischen Gesellschaft unserer Zeit gibt es grundsätzlich die Möglichkeit pluraler Bildungskonzepte. Das Ziel eines humanistischen Konzepts besteht darin, vor einer frühen Spezialisierung ganzheitlich und umfassend vorzugehen und grundsätzlich zu fragen:

  • Was ist das Wesen des Menschen?
  • Worin bestehen die Fähigkeiten des Menschen?
  • Wie kann der Mensch seine speziellen Fähigkeiten umfassend und bestmöglich entfalten?
  • Anhand welcher Kriterien entscheidet der Mensch, wie er mit seinen Möglichkeiten umgehen soll?
  • Worin findet der Mensch seine Grenzen?

In allen Bereichen des Lebens und der Wissenschaften (Naturforschung, Kultur- und Humanwissenschaften, Musik und Künste) erschließt der Mensch die Gegenstände seiner Erkenntnis durch Sprache. Nur so kann er sie verstehen und darüber kommunizieren. Sprache in diesem grundsätzlichen Verständnis ist somit notwendige Bedingung jeglicher Welterkenntnis (von alltäglich-vorwissenschaftlicher bis zu wissenschaftlich-methodischer).

Daher kommt einem schulischen Bildungskonzept, das die rekonstruierende Analyse der Elemente der jeweiligen Sprache und das an ihren Regeln orientierte methodische Erlernen ins Zentrum seiner Bemühungen stellt, besondere Bedeutung zu.
Der Erwerb und das Beherrschen der Grundregeln sprachlicher Konstruktion von Wirklichkeit erlaubt, die Grenzen der eigenen Sprache zu überschreiten und durch den Einsatz unterschiedlicher Techniken der Übertragung die Strukturen fremder "Sprach-spiele" (im Bereich von Natur-, Sozial- und Kulturwissenschaften) zu rekonstruieren, diese zu verstehen und verändernd zu gestalten.
Durch diese Fähigkeit wird das Überschreiten der Logik fachwissenschaftlicher Einzeldisziplinen oder kultureller, zeitbedingter Sprachgrenzen ermöglicht. Diese Kompetenz schafft die Möglichkeit der Kritik und Selbstkritik. Sie erweitert das eigene Bewusstsein und öffnet somit den Weg zu einem begründeten Erkenntnisprozess und zu einem umfassenden Problembewusstsein. Sie zielt letztlich auf Orientierung an Werten, denn in der Vergangenheit geprägte Verhaltens-, Entscheidungs- und Handlungsmuster können Modelle für eigenes verantwortliches Denken und Handeln in Gegenwart und Zukunft bilden.
Die benannten Zieldimensionen bedingen folgende pädagogisch begründete Lernperspektiven:

  • Anleitung zu aufmerksamem Erkennen und differenzierendem Verstehen
  • Wissenschaftsorientierung und Wissenschaftskritik
  • Erlernen von Methoden und Entwickeln eines Methodenbewusstseins
  • Förderung von Kommunikations- und Argumentationsfähigkeit
  • Hinführung zu Problem- und Werteorientierung
  • Schulung von Selbstständigkeit im Denken, Urteilen und Handeln
  • Entfaltung und Förderung von Kreativität
  • Anleitung zu intellektueller Flexibilität und künstlerisch-ästhetischer Sensibilität
  • Herstellen von Transferleistungen auf eigene Erfahrungswelt und Handlungsorientierung
  • Ausbilden von Verantwortungsbereitschaft
  • Förderung von Leistungswillen und Freude am Lernen

Die o. a. Zieldimensionen stehen einerseits in den Traditionen aus klassischer Antike, Spätantike, christlichem Mittelalter, Humanismus und Neuhumanismus des 19. Jahrhunderts, berücksichtigen andererseits aber die Forderungen unserer heutigen Gesellschaft nach einer zeitgemäßen Bildung.

Unser humanistisches Bildungskonzept geht grundsätzlich von einer Gleichrangigkeit der einzelnen Fächer und Fachbereiche aus.

Die einzelnen schulinternen Fachcurricula formulieren, orientiert an den allgemein verbindlichen Rahmenplänen, den jeweiligen Bezug zu den dargestellten Zielperspektiven. Für das Lessing-Gymnasium bilden Latein als Eingangssprache, ergänzt durch das Angebot von Griechisch ab Jahrgangsstufe 8, und die Schwerpunktsetzung auf die musische Ausbildung die Grundlage für die Realisierung seines Bildungskonzepts. Dabei kommt der Kooperation der einzelnen Fächer im Rahmen von Projekten, Arbeitsgemeinschaften, Kursen und schulspezifischen Lernangeboten besondere Bedeutung zu. Effizienz, Kontinuität und Freude an der Selbstentfaltung sind in diesem Rahmen leitende Kriterien. Das humanistische Gymnasium ist sich der Differenz zwischen dem ideellen Anspruch und dessen konkreter Verwirklichung bewusst. Im Spannungsverhältnis von Lehren und Lernen kann sich humanistische Bildung und Erziehung individuell verwirklichen.