Schulgeschichte

Die Geschichte des Lessing-Gymnasiums beginnt 1519 mit dem Beschluss des Stadtrates in Frankfurt am Main eine Lateinschule zu gründen. Ein Jahr später beginnt unter Wilhelm Nesen, einem Schüler des Humanisten Erasmus von Rotterdam, der Unterricht. In seiner Diensturkunde verpflichtet er sich, auf die Dauer von drei Jahren "ihre und gemeiner Bürgerschaft Kinder" Latein zu lehren und alle Tage eine Stunde für "ehrbare Hörer" öffentlich zu lesen. 1529 siedelt die Schule in das frühere Barfüßerkloster über und erhält in der Folgezeit den Namen Gymnasium Francofortanum. Es untersteht direkt dem Rat der Stadt Frankfurt, der Lehrbetrieb und -inhalte überwacht und im Laufe der Jahrhunderte auch reformiert. So wird 1765 eine "verbesserte Ordnung des Gymnasiums" erlassen, in der als Unterrichtsziel u.a. das Erlernen der lateinischen, griechischen und hebräischen Sprache festgelegt wird. Die Schüler der beiden oberen Klassen "sollen anders nicht als lateinisch reden". Weitere Unterrichtsfächer sind Philosophie und Geschichte.
Mitte des 19. Jahrhunderts - die Schule befindet sich mittlerweile im Arnsburger Hof, ein früher zum Hof des Klosters Arnsburg gehörendes Gebäude in der Predigergasse - werden die Bildungsgedanken der Aufklärung aufgenommen, und unter dem Direktor Johannes Classen grundlegende Neuerungen eingeführt: der zehnjährige Bildungsgang von der Septima zur Prima, Progressionsfeiern zum Schuljahresabschluss an Ostern, Unterrichtsverteilung auf vormittags von 8:00 bis 12:00 Uhr und nachmittags von 14:00 bis 16:00 Uhr an vier Tagen in der Woche. Am Ende der Prima steht keine förmliche Abiturprüfung, sondern eine größere lateinische Arbeit nach freier Wahl.
Unter Tycho Mommsen entwickelt sich das Frankfurter Gymnasium zu einer angesehenen Gelehrtenschule: man hält Verbindung zu den deutschen Universitäten und fördert das wissenschaftliche Arbeiten in geistes- und naturwissenschaftlichen Fächern. Wegen des starken Anstiegs der Schülerzahlen unterliegt das Gymnasium in der Folgezeit mehrfach Veränderungen. Um das neue Domizil in der Junghofstraße zu entlasten, wird 1888 das Kaiser-Friedrich-Gymnasium (das heutige Heinrich-von-Gagern-Gymnasium) gegründet. Im Jahre 1897 erfolgt die Teilung in das Goethe-Gymnasium, das den Frankfurter Reformlehrplan einführt, und das Lessing-Gymnasium, das die humanistische Tradition beibehält.
Im Jahre 1902 bezieht die Schule ein neues Schulgebäude an der Hansa-Allee, das im Zweiten Weltkrieg schwer zerstört wird. Die Schüler der Unter- und Mittelstufe werden nach Marienberg im Westerwald evakuiert. Da das Schulgelände im militärischen Sperrgelände der amerikanischen Besatzungsmacht liegt, kann der Unterricht in dem notdürftig renovierten Gebäude erst 1952 wieder aufgenommen werden.
Im Jahre 1968 findet die Übergabe des heutigen Schulbaus statt, den die Stadt auf dem alten Gelände hatte errichten lassen.