Projektarbeit

Bridge Over Troubled Water - Brücken bauen zwischen den Wissenschaften
Fächerverbindende und fachübergreifende Projekte in der Oberstufe am Lessing-Gymnasium
Verantwortliche Projektleiterinnen: Frau Schröder und Frau Jung

Konzeption und Zielrichtung des Vorhabens
Wir möchten unterschiedliche Themen verstärkt fächerverbindend und fächerübergreifend bearbeiten und dabei verschiedene Medien kennenlernen und kritisch benutzen. Dafür haben wir zwei unterschiedliche Ansätze gefunden, die wir in den kommenden Jahren ausprobieren möchten.
Im Rahmen des fächerverbindenden Unterrichts in der Jahrgangsstufe 11.2 werden der Zusammenhang von naturwissenschaftlichen Erkenntnissen und Menschen sowie Weltbildern am Beispiel der Renaissance, ihre historischen und sozioökonomischen Voraussetzungen und antiken Wurzeln untersucht und ein Ansatz für eine multimediale Vermittlung dieses Zusammenhangs entwickelt. Die Schüler recherchieren unter Anleitung der unterrichtenden Lehrer/innen und Referendar/innen Materialien zu den unterschiedlichen Fächern, legen einen Materialfundus an, vergleichen die Quellen und bewerten sie kritisch. In jedem Unterrichtsfach sollte ein Bezug zu diesem Thema hergestellt werden, damit die Schüler ihr Wissen aus den verschiedenen Fachgebieten in ein übergreifendes System einordnen können. Wir sind sicher, dass dadurch ein größeres Verständnis für unser heutiges Weltbild entsteht, dass sich aber auch die Fächer untereinander helfen können, Probleme zu lösen. Wir glauben auch, dass die Motivation der Schüler/innen steigt, wenn sie merken, dass sich ein Puzzle von Teilinformationen zu einem Ganzen fügt. Dadurch wird das Denken in Zusammenhängen gefördert. Der Rahmen des herkömmlichen Unterrichts wird nicht verändert.
Ganz anders ist die Organisation bei unserem zweiten Ansatz, die den herkömmlichen Unterricht sprengt. In einer Projektwoche am Beginn des 12. Schuljahrs werden Themen gewählt, die den fächerverbindenden Aspekt zwischen Naturwissenschaften und Ethik bzw. Philosophie hervorheben. Der 45-Minuten-Takt ist aufgehoben, die Schüler organisieren ihre Zeit, ihren Raum und ihre Gruppe. Es bleibt ihnen überlassen, ob sie in Kleingruppen, Partnerarbeit oder ganzer Gruppe, arbeitsteilig oder parallel die Themen bearbeiten, wann sie Pause machen, wo sie arbeiten (allerdings ist eine Kernzeit in der Schule verpflichtend, aber selten sind alle Gruppenmitglieder in einem Raum, da die Computer in anderen Räumen stehen).
Wir gehen davon aus, dass das Arbeiten an einem Problem, das nicht nur von einem Fachbereich gelöst werden kann, die Schüler/innen mehr auf problemlösendes Denken im Alltag vorbereitet als dies im Fachunterricht allein möglich ist. Den Schüler/innen soll dabei möglichst viel Freiheit und Selbständigkeit in der Auswahl und im Umgang mit den Problemen gewährt werden. Der Lehrer ist zwar als Ansprechpartner, Organisator und Helfer vorhanden, er dominiert aber den Prozess nicht, sondern hält sich nur zur Verfügung.
Die Schüler bearbeiten das Thema nicht nur für sich, sondern sie sollen nach einer vorgegebenen Zeit ihre Ergebnisse einem Publikum vorstellen. Am Ende steht also ein Produkt. Wie dieses aussieht, bleibt den Schüler/innen überlassen. Es kann ein medial unterstützter Vortrag, ein Kunstwerk, eine kurze schriftliche Dokumentation, ein Film, ein Theaterstück, eine Multimediaproduktion usw. sein, der Phantasie sollen bewusst keine Grenzen gesetzt werden, denn Phantasie und Kreativität sind bei der Bewältigung der realen Probleme unerlässlich. Die Schüler müssen sich bei der Erstellung dieses Endprodukts Gedanken darüber machen, welche Medien sie mit welcher Zielsetzung verwenden, welche Wirkung sie dadurch erzielen. Da sie es einem kritischen Publikum präsentieren, liegt ihnen natürlich daran, dass ein gutes Ergebnis erzielt wird. Es geht nicht um Zensuren, sondern um das Feed-back der Zuhörer und Zuschauer. Trotzdem ist sich die Mehrheit der Kolleg/innen einig, dass Noten für besonders gute Leistungen auch bei Gruppen-Projekten individuell vergeben werden sollten. Für die Lehrer/innen sollte das Projekt die Möglichkeit bieten, neue Unterrichtsformen und Lehrmethoden prüfen zu können. Im Endeffekt erhoffen sich alle, Schüler/innen und Lehrer/innen, neue Impulse für den Regelunterricht.
In der 13. Jahrgangsstufe hat in einigen Gruppen das Projekt The Brain and My Self stattgefunden, das die Fächer Biologie und Englisch verbindet. Für Englisch Leistungskursschüler/innen gab es hierbei die Gelegenheit, Vorträge auf Englisch zu einem naturwissenschaftlichen Thema in kleinen Gruppen zu erarbeiten. Der Leistungsanspruch war im Vergleich zur Projektwoche noch einmal erhöht, da die Schüler/innen ausgehend von einem englischsprachigen Film eigene Fragestellungen finden und in sehr kurzer Zeit, in nur zwei Tagen, Material zu ihrer Beantwortung finden mussten.
Es wird überlegt, ob diese Projekttage auf die gesamte Jahrgangsstufe ausgeweitet werden sollen. Über diesen Aspekt muss noch diskutiert werden.