Fachbereich I

In unserer heutigen, grundsätzlich pluralen Bildungslandschaft geht das der humanistischen Konzeption verpflichtete Lessing-Gymnasium von Sprache als dem Fundament einer ganzheitlichen und umfassenden Bildung aus. In allen Bereichen des Lebens und der Wissenschaften (Naturforschung, Kultur- und Humanwissenschaften, Musik und Künste) erschließt der Mensch die Gegenstände seiner Erkenntnis durch Sprache, die notwendige Bedingung jeglicher Welterkenntnis, von alltäglich-vorwissenschaftlicher bis zu wissenschaftlich-methodischer, ist. Der Erwerb und das Beherrschen der Grundregeln sprachlicher Konstruktion erlaubt, die Grenzen der eigenen Sprache zu überschreiten, und durch den Einsatz unterschiedlicher Techniken der Übertragung die Strukturen fremder „Sprachspiele“ im Bereich von Natur-, Sozial- und Kulturwissenschaften zu rekonstruieren, diese zu verstehen und zu gestalten. Diese Kernkompetenz schafft die grundsätzliche Möglichkeit zu Kritik und Selbstkritik, öffnet den Weg zu einem Erkenntnisprozess und zu einem Problembewusstsein, zielt letztlich auf eine allgemeine Werteorientierung.

Die Welt unserer Schülerinnen und Schüler ist geprägt durch den europäischen Gedanken ebenso wie durch pluralistische Wirklichkeitsentwürfe, die auf die Vergangenheit und Gegenwart bezogen sind. Daraus ergibt sich im sprachlich-künstlerischen Aufgabenfeld für die einzelnen Fächer folgendes Profil: Sprachen werden gewissermaßen im Dialog gelernt, die Mehrsprachigkeit von drei Pflichtsprachen soll dem Erwerb einer allgemeinen Studierfähigkeit dienen. Im sprachformalen Bereich wird die Sprachautonomie im Sinne kommunikativer und sprachreflektorischer Kompetenzen angestrebt, die hermeneutische Textkompetenz gefördert. Inhaltlich ist eine kulturelle bzw. interkulturelle Kompetenz im Sinne einer Werteorientierung erstrebt. Die Mehrsprachigkeit fördert eine Wissenschaftsorientierung speziell durch inhaltlich und methodisch exaktes Arbeiten (Wissenschaftspropädeutik) und leistet letztlich einen Beitrag zur Persönlichkeitsfindung im Sinne einer Selbst- und Sozialkompetenz.

Aktuell fordern die komplexer gewordenen Lernumfelder unserer Schülerschaft und die Weiterentwicklung der Schule als G8-Gymnasium eine verstärkte Kooperation gerade auch der sprachlichen Fächer. Englisch als einem Kernfach seit der Grundschule kommt besondere Verantwortung beim Aufbau einer Mehrsprachigkeit zu; neben einer Verstärkung der Sprachlern-Motivation, des Sprachbewusstseins und der Freude am Umgang mit Sprache und Texten erfährt der Englisch-Unterricht eine Neuausrichtung durch die Verbindung mit der reflexionsorientierten Komplementärsprache Latein. Latein als erste Gymnasialsprache erstrebt in der Spracherwerbsphase durch die Verknüpfung von Sprache und einem Inhalt, der sich als griechisch-römische Einführung in Geschichte, Kultur und Fortleben der Antike versteht, zuerst die Entwicklung von Sprachkompetenz und -reflexion durch intensive Sprachbetrachtung und Vergleich (v.a. Latein-Deutsch). Latein schafft darüber hinaus ein grundsätzliches Bewusstsein für das Funktionieren von Sprache. So koordinieren und kooperieren Deutsch- und Lateinfachschaft im Bereich der grammatisch-syntaktischen Terminologie, der kreativen Textproduktion, im Einsatz kommunikativer Arbeitstechniken, Englisch und Latein stimmen individuelle Vokabellerntechniken ab und arbeiten an einer gemeinsamen Lexik auf der Grundlage der Lehrbücher. Die obligatorische dritte Fremdsprache Französisch/Altgriechisch erweitert und differenziert die Sprachkompetenz im reflektorisch-kognitiven und kommunikativen Bereich. Der erweiterte Stundeneinsatz in Höhe von vier Stunden soll für eine Teilnahme an Grund- und Leistungskursen motivieren und qualifizieren. Der Einsatz der dritten Fremdsprache in der Klasse 8 ermöglicht einen Rückgriff auf bereits fundierte Kenntnisse und Kompetenzen (vgl. Curricula Latein, Griechisch, Französisch) und schafft auch in den folgenden Jahrgangsstufen Raum für vertiefende, differenzierte und individuelle Spracherwerbsphasen (vgl. DELF für Französisch und Graecum für Griechisch). Allgemein betreffen die interdisziplinären Sichtweisen mit zunehmendem Alter der Schüler nicht nur Inhalte, sondern auch Methoden. Durch die Arbeit im Fachbereich I findet eine verstärkte Einführung in die Fach- und Wissenschaftssprache statt; sie liefert somit einen Beitrag für die Arbeit der Fachbereiche II und III.

Den musischen Fächern Kunst und Musik kommt eine besondere Bedeutung bei der Realisierung des humanistischen Bildungskonzeptes zu. Entfaltung und Förderung der eigenen Kreativität, Förderung der Ausdrucksfähigkeit in den musischen Sprachspielen, Ausbildung von sozialer Kompetenz und letztlich die Förderung des Leistungswillens und Freude am Lernen sind auch hier die Parameter pädagogischen Tuns.

Das breite Kursangebot, differenziert nach Grund- und Leistungskursen, v.a. auch in den Fächern Latein, Griechisch, Musik für die Fächer des Fachbereichs I, schärft und vertieft das oben gezeigte Bildungsprofil. Zum Erhalt einer allgemeinen Studierfähigkeit trägt das kontinuierlich breite Kursangebot im Sinne einer Wissenschaftspropädeutik wesentlich bei.

Die durch die Mehrsprachigkeit intendierte höhere Text-, Kommunikations- und Kulturkompetenz kann nur durch die Beibehaltung eines breiten Kursangebotes erreicht werden.

Neueste Untersuchungen bezüglich Textkompetenz und allgemeiner Studierfähigkeit der Studenten weisen die Korrelation mit fundierten lateinischen Sprach- und klassischen Sach- und Literaturkenntnissen nach; sie bestätigen mithin unser Bildungsangebot in der Oberstufe.